SCHÖNE AUSSICHTEN.

Die neue Arbeitswelt bietet beruflich viele Perspektiven.

Spätestens seit Twitter-Bots das Netz beherrschen, die Industrie 4.0 Fahrt aufgenommen und die Kanzlerin auf der Gamescom abhängt, sollte jedem klar sein: An digital führt kein Weg vorbei – und der Wandel hat auch Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) rechnet dadurch mit 1,5 Millionen wegfallenden Arbeitsplätzen bis 2025 – gleichzeitig entstehen aber auch neue. In Arbeitsbereichen mit rosigen Zukunftsaussichten, wie uns Jutta Gensch von der Arbeitsagentur in Stuttgart verrät.

Big-Data-Spezialist

Im Netz werden Unmengen digitaler Spuren hinterlassen, doch nur die wenigsten Unternehmen schaffen es, sie aufzubereiten und effizient zu nutzen. Aufgrund der stets wachsenden Datenmengen im Netz sind Unternehmen vermehrt auf Personal angewiesen, dass den hochkomplexen Datenströme Herr werden kann. Durch gute Big-Data-Spezialisten sichern sie sich enorme Wettbewerbsvorteile, was sich auch im Gehalt widerspiegelt. Was man dafür braucht? Jedenfalls analytisches Geschick und die Fähigkeit, nie den Überblick zu verlieren. Aus der Auswertung des Datenwusts schmieden Spezialisten neue Ideen und Ansätze für bessere Geschäftsmodelle und strategische Konzepte, lösen bestehende Problemfälle und beugen Schwierigkeiten durch eine fundierte Prognose vor. Neben einer ausgeprägten Analyse- und Managementfähigkeit sollte man noch darin Talent besitzen, schwere Themen aufzuarbeiten und Fachjargon in eine verständliche Sprache zu übersetzen. Zukunftsaussichten: so blendend wie Fernlicht.

Internet of Things-Architekt

Gegenstände, die ein Eigenleben führen und in Abwesenheit des Menschen miteinander kommunizieren, kennt man bislang nur aus Trickfilmen. Doch schaut man sich genauer um, merkt man schnell, dass wir schon mittendrin stecken in dieser Märchenwelt: Durch das Internet der Dinge (IoT) werden unabhängige Geräte, Sensoren und Anwendungen vernetzt, die miteinander interagieren – ob im Handel, in der Industrie oder im Alltag. Bis 2020 soll es weltweit rund 50 Milliarden solcher smarten Geräte geben. Schon jetzt hält das Prinzip in Form von Fitnessarmbändern, Car-Sharing, Paketverfolgung oder intelligenter Haushaltsgeräte, die von unterwegs gesteuert werden, Einzug in unser Privatleben. Experten aus der Informatik und Elektrotechnik werden dringend gesucht. In der regionalen Jobbörse der Arbeitsagentur findet sich der Begriff „IoT“ bereits über hundert Mal.

Cyber-Security-Manager

Viele Verbrecher nutzen das Netz und zunehmend avancierte Tools – und sind somit schwerer zu fassen denn je. Liegt auch noch der Tatort im IoT, in dem riesige Mengen an Daten ausgetauscht werden, ergeben sich schier unendliche Möglichkeiten für Kriminelle, von Hackern ganz zu schweigen. Jeder der unzähligen Verbindungsknoten und Sensoren sowie die Gerätevielfalt im Internet der Dinge könnten eine Sicherheitslücke darstellen. Traditionelle Sicherheits-Systeme müssen mit den digitalen Innovationen umgedacht und angepasst werden. Jedes Geheimnis eines Unternehmens hängt an der IT und braucht einen geschulten Aufseher. Deshalb kommen mittlerweile auch Informatiker bei der Verbrecherjagd zum Einsatz. IT-Security-Manager schützen vor Attacken, bewerten Risiken, konzipieren Sicherheitsstrategien sowie -infrastrukturen und haben die juristischen und technischen Bedingungen im Visier. So sind „legale Hacker“ mittlerweile sehr gefragt und viel beschäftigt, denn sie decken Sicherheitslücken bei Unternehmen und Verwaltungen auf und treffen Gegenmaßnahmen.

SEM-Experte

Platte Werbebotschaften ade, im Netz kommt’s auf intelligente Kommunikation mit den Usern an. Im Suchmaschinenmarketing (Search Engine Marketing, SEM) sind Schreiber gefragt, die ihre Texte dementsprechend optimieren, um möglichst viele Klicks auf der Webseite des Auftraggebers zu generieren. Gerade Geisteswissenschaftler finden hier ihre Nische in der digitalen Arbeitswelt, in der sie ihr weitsichtiges Verständnis und ihre thematische Flexibilität einbringen können. SEM-Experten bewegen sich geschmeidig zwischen Web-Analyse und Adwords-Kampagne und entwickeln so Strategien. Des Weiteren sollten sie Einfühlungsvermögen besitzen, schließlich muss man sich in die User hineinversetzen, um sie gezielt mit relevanten Inhalten ansprechen zu können. Wer aus PR, Marketing oder Journalismus kommt, ein Gespür für Zielgruppen hat, verschiedene Verbreitungskanäle kennt, sowie eine Prise an Technologie-Affinität mitbringt, wird als SEMExperte glücklich. Gebraucht werden sie in fast jeder Branche, jedoch sind die Arbeitsplätze hart umkämpft und leider oft prekär.

Virtual-Reality-Visionär

Tagträumer können nun ganz einfach in virtuelle Welten entschwinden: Brille aufsetzen, los geht’s! Die Virtuelle Realität (VR) ist auf dem Vormarsch und funktioniert denkbar simpel: Man braucht ein Smartphone und eine VR-Brille, die man für läppische zehn Euro bekommt. Die geringen Kosten ermöglichen einen weitflächigen Einsatz der Technologie sowie viel Raum für Experimente und neue Ideen. In vielen wichtigen Lebensbereichen – vom Klassenraum über Werkshallen bis zum OP-Saal – wird VR bereits genutzt. Der zukunftsträchtige Markt bietet vielversprechende Einstiegschancen, auch wenn diese noch rar sind. Was ein VR-Experte noch so macht? Er evaluiert Anwendungen und deren Einsatzmöglichkeiten und betreut die Systeme. Wer also Freude an Innovation und einen Hang zu Unkonventionellem mitbringt, ist womöglich der richtige Typ für die Gestaltung der portablen Parallelwelt. Die rote Pille ist geschluckt, willkommen in der Matrix!

Text: Tanja Kuzmenko
Illustrationen: Danae Diaz