Team Knut - einmal um die Ostsee

16 Tage | 10 Länder | fast 10.000 km | 1.367 Liter Diesel

Sie haben es geschafft!!!

Die Jungs - Teilnehmer am Baltic Sea Circle 2017 - sind am Ziel angekommen. Eine Elche Attacke, 3 Wildschweine, 23 Füchse, Dutzend Hirsche, über 6.000 Bilder, durchschnittlich 5 Stunden Schlaf und 4 demontierte Hinterräder liegen nun hinter den fünf Freunden aus dem Raum Stuttgart.

Wir gratulieren und hoffen das ihr eine angenehme Heimreise, züruck ins Schwabenländle haben werdet ;)  

Tagebuch der Jungs

Stage 7: Skibotn – Nordkap! 550 km 8h

Johannes - 27.06.2017: Nach einer erholsamen Nacht starteten wir unseren Tag mit einer weiteren Runde Reifen flicken. Als es dann in alter Frische wieder auf die Straße ging, war die Euphorie förmlich spürbar: Das Nordkap war plötzlich in greifbare Nähe gerückt!
Bei perfektem Wetter ging es noch einmal im Rallyetempo durch wunderschöne Fjorde, immer mit spektakulären Blicken auf Schneeberge und den größten Gletscher Norwegens. Schnell trafen wir auf andere Rallyeautos und bildeten unter anderem mit einem weiteren Pajeroteam einen Konvoi. Über Funk wurde sich vor Radarkontrollen und Unfällen gewarnt, die Route abgestimmt und zum Essen verabredet. Mitten im Urlaubsgebiet wurden wir so auf einmal selbst zur Attraktion, denn immer öfter interessierten sich Einheimische und Touristen für unseren kleinen Konvoi oder winkten vom Straßenrand.
Über einen Gebirgspass änderte sich die Landschaft schlagartig. Die unendlichen, völlig baumfreien Weiten der Finmark zwangen uns mit ihren unzähligen Schneefeldern und Reentierherden einige Male zum Fotostopp. Solche Landschaften kannten wir seither nur aus Bear Grylls Episoden und Island-Dokus.
Mit dem Abbiegen auf die E69 und durchqueren des tiefsten Tunnels der Erde (-210m unter NN) waren wir auf der nördlichsten Straße der Welt.

Und dann hatten wir es geschafft: gegen 22 Uhr war die Straße zu Ende, wir hatten unser insgeheimes Sehnsuchtsziel erreicht!

Nach kurzem Lageraufschlagen in leichtem Schneefall und selbst gebratenem „Wal auf Knäckebrot“ war es an der Zeit, die letzten Meter in Angriff zu nehmen. Zusammen mit anderen Rallyeteams hatten die Große Ehre, direkt aufs Kapp fahren zu dürfen!
Stolz umrundeten wir den bekannten Globus, die Fotosession natürlich obligatorisch.

Bei greller Mitternachtssonne vielen wir gegen 4 Uhr morgens in unsere Zelte.
Dass wir in atemberaubender Wildnis, zwischen Nordkap und nördlichster Stadt der Welt übernachteten, realisierten wir aufgrund unserer latenten Übermüdung erst am nächsten Tag.

Knivskejelodden – das echte Nordkapp (+ Stage 8: 550km | 8h)

Johannes - 27.06.2017: Camping bei 0°C hat definitiv was, sind wir am 8. Tag der Rallye umgeben von Rentieren aufgewacht, die uns schon scheins schon in ihre Herde integriert hatten. Nach kurzem Stopp am so genannten Nordkapp machten wir uns auf den Weg zu einem der bisherigen Highlights unseres Trips – Knivskjelodden. Mit 72° 08′ 11“ statt 71° 10′ 21“ der wirklich nördlichste Punkt Europas. Da hierher allerdings nur eine lange und recht beschwerliche Wanderung führt, bleibt Knivskjelodden bisher vom großen Ansturm verschont. Im „Gipfelbuch“ am äußersten Zipfel Europas hatten sich so nur 250 Personen eingetragen, während am erschlossenen Nordkapp die Touristen in Buskarawanen scharenweise angekarrt wurden. Umso besser für uns! Die Wanderung führte durch atemberaubende Landschaften, menschenleere Täler, vorbei an Wasserfällen und begleitet von der eindrucksvollen Kulisse der 300m hohen Steilküste des eigentlichen Nordkapps. Bei den teils meterhohen Schneefelder und Verwehungen konnten wir unseren inneren Spieltrieb nicht unterdrücken, was schließlich zu einer ausgiebigen Tüten-Rodel Pause führte. Nach 4 Stunden erreichten wir schließlich Knivskjelodden und ließen uns das nördlichste Vesper und Bier (#Wullehilft) Europas redlich schmecken. Insgesamt 8h, 19km und knapp 500 Höhenmeter standen zur Buche als wir am Abend unseren Pajero mit durchnässten Füßen erreichten. Im ausgeklügelten Schichtsystem verbrachten wir die anschließende Nacht fahrend und feierten das Bergfest der Rallye irgendwo in der finnischen Einöde. Ganz spurlos gingen die Anstrengungen der letzten Tage allerdings nicht an uns vorbei. Einer unserer Tobis verbrachte die Nacht mit Fieber, eingemurmelt wie ein Eskimo, auf der Rückbank und ließ sich mit Medikamenten und Zitronen füttern. Am frühen Sonntagmorgen schlugen wir schließlich unsere Zelte an einem Bilderbuch Campingspot knapp 20km vor der russischen Grenze auf.

Stage 9: Ivalo – Murmansk (300km | 9,5h)

Johannes - 27.06.2017: Gestärkt durch einen kurzen Powernap nach der gestrigen Nachtfahrt machten wir uns auf den Weg zur russischen Grenze. Das 6. Land der Rallye wollte uns allerdings nicht so schnell Willkommen heißen wie gehofft. Mehrere Rallyeteams, ebenfalls gezeichnet von den duschen- und schlafarmen Etappen des Baltic Sea Circle, erwarteten uns schon. Anschließend folgte eine Amarda aus Passkontrollen und Wartezeiten inklusive Schockmoment. Ohne offizielle Vollmacht des Fahrzeughalters geht nix. Ziemlich blöd, wenn das Auto auf den Vater läuft, der 3.000km entfernt beim Mittagessen sitzt. Irgendwann war es dann doch soweit: Ein uniformierter Zöllner rief uns zum Filzen auf. Trotz aller Ernsthaftigkeit in der Sache gestaltete sich das Ausräumen unseres bis unters Dach vollgestopften Autos als ziemlich amüsant.
Selbst dem strengen Gesicht des Zöllners konnten wir mit unserem Fünften Sitzplatz ein leichtes Lächeln entlocken. Als er dann jedoch unsere ekelhafte Dachbox voller nasser Wanderschuhe öffnete, begannen seine Mundwinkel zu zucken, und mit dem Entfesseln des (wirklich abartigen) ungespülten Walfischgeschirrs war es dann um jegliche Haltung geschehen, das allgemeine Gelächter nicht mehr zu halten. Die gute Laune und Freundlichkeit der Zöllner werden wir sicher in Erinnerung behalten.
Nach 3,5h Behördenodyssey betraten wir dann alle zum ersten Mal russischen Boden. Den Umständen und unseres Zustandes gebührend feierten wir dies an der nächsten Tanke mit RedBull statt Bier, in weißer Voraussicht der anstehenden Buckelpiste und unseres eigenen Zustandes.

Tatsächlich hätten wir es uns nicht schlimmer ausmalen können: Raue Schotterpisten, mehr Schlaglöcher als Straße und bewaffnete Checkpoints zwangen unserem überladenen Pajero langsames Tempo und übelste Beanspruchung auf. Nach stundenlanger Fahrt durch schier endlose Wälder und halbverlassene Siedlungen erreichten wir am Abend Murmansk. Die Stadt gleicht einer grauen Betonwüste aus Fabriken mit rauchenden und stinkenden Schlotten und riesigen Plattenbauten, trostlos und irgendwie faszinierend zugleich. Schwäbisch wie wir sind hatten wir am Tag zuvor für schmales Geld ein Appartement im „Zentrum“ der Stadt reserviert. Dort angekommen erwartete uns allerdings nicht die erhoffte Rezeption sondern nur ein schäbiger Hinterhof mit Hühnern und Hunden. Durch Hilfe von Passanten, die allerdings kein Wort englisch sprachen, unzähligen Telefongesprächen und einer eskortierten Fahrt durch die Stadt fanden wir schließlich irgendwann unser Appartement. Ziemlich dubios …

Stage 10: Murmansk – Petrosawodsk (950km | 15h)

Johannes - 29.06.2017: Gestärkt von einem spätmorgendlichen Brunch, ca. 1500 Kalorien pro Person beim Murmansker MC Donalds, machten wir uns auf zu unserer bisher längsten Fahretappe. Fast 1000km auf unbekannten russischen Straßen, die uns und unseren Pajero bisher so schmerzlich im Stich ließen. Davor durfte jedoch ein kurzer Abstecher bei der Lenin, einem stillgelegten Atomeisbrecher, nicht fehlen. Spätestens beim Passieren eines ziemlich maroden Atomkraftwerks in der russischen Einöde waren wir dann wohl völlig verstrahlt. Überraschend schnell verbesserten sich nach den Buckelpisten des Vortages die Straßen. Stand uns am Anfang bei 60 km/h noch der Angstschweiß in den Gesichtern, kamen wir ab Nachmittag immer zügiger voran. Dahingegen beängstigend der russische Fahrstil. Wenn trotz einer 2 spurigen Fahrbahn plötzlich 4 Autos nebeneinander fahren, vor Kuppen mit vollem Risiko überholt wird und von Autos teils die Hälfte nicht mehr vorhanden ist nicht zu verwunderlich, dass wir leider einige wirklich schwere Unfälle sahen. Umso besser, dass einen die LKW Fahrer, wohl sowas wie die guten Seelen der russischen Straßen, wiederholt vor Kontrollen warnten und anzeigten, wann wir überholen konnten.
Landschaftlich bot die Strecke nicht wirklich viel. Die endlosen Wälder wurden nur von abartig stinkenden Fabriken in komplett versmogten Tälern unterbrochen. Nach einem weiteren Elektrikproblem unseres Pajeros, dieses mal der Ausfall des Abblendlichtes, fielen wir nachts in unsere genüsslich weichen Hotelbetten.

Stage 11: Petrosawodsk – Sankt Petersburg (450km | 8h)

Johannes - 01.07.2017: Erholt von der zwar kurzen aber umso weicheren Hotelnacht stärkten wir uns erstmal bei Rührei, Speck und Pfannkuchen. Nach kurzem Treffen mit anderen Teams ging es danach gleich auf den Weg gen Sankt Petersburg. Auf der Strecke wurden wir, russlandtypisch, wieder haarscharf überholt, auf 1m bedrängt und Zeugen mehrerer beinahe Unfälle. Die wahre Schönheit Russlands zeigte sich bei Abstechern abseits der Hauptstraßen wo wir z.B. plötzlich mitten auf einem Schulhof zur Attraktion der Einheimischen wurden.
Schon beim Suchen der Unterkunft in St. Petersburg merkte man deutlich, dass die Stadt auf dem Reisbrett geplant wurde. Übersichtlich, alles irgendwie vom gleichen Stil und ungewohnt aufgeräumt. Im Vergleich zum restlichen Russland wie aus einer anderen Welt. Weißer Range Rover statt Lada, Louis Vittuon und Pelz anstelle kurzer Hose bei 10 Grad und Roof top Bar statt halbverfallenen Straßenkiosk.
Komplett ausgehungert bestellten wir uns erstmal im Cafe Soviet, in authentischer UDSSR Romantik, die Speisekarte hoch und runter. Nach 8 Vorspeisen, 5 Hauptgängen und der kompletten Nachtischauswahl (Bier sei nicht erwähnt) war das Knurren unserer Mägen erstmal gestillt. Danach ging es zu Erimetrage, Peter Pauls Festung und die Nevsky Avenue hoch und runter ehe wir nachts in die Betten fielen.

Stage 12: Sankt Petersburg – Laheema Nationalpark (450km | 14h)

Johannes - 01.07.2017: Wir hatten uns wohl zu schnell an die Dekadenz Sankt Petersburgs gewöhnt. Dementsprechend wurde nach entspannten ausschlafen erstmal fürstlich beim verspäteten Frühstück getafelt. Nach Suppe, gefüllte Teigtaschen in allen Varianten, Kuchen und Donuts shoppten wir noch schnell Souvenirs. Anschließend verließen wir nach herzlichem Abschied Sankt Petersburg, legten noch einen kurzen Fotostopp am Schloss Petergov zwischen Unmengen an Kreuzfahrttouristen ein und machten uns auf gen estischer Grenze. Da am Abend das zweite offizielle Zusammentreffen aller Teams in Estland stattfinden sollte, planten wir extra viel Zeit für den Grenzübertritt ein. Gut gedacht, schlecht gemacht. Statt der geplanten 3-4h kostete es uns mehr als 6h bis wir die Zöllner passierten. Da es so aber nicht nur uns sondern gefühlt der Hälfte aller Rallye-Teams erging verlegten wir die Party kurzerhand in die Warteschlange vor der Grenze. Fußball über die Straße, sonnen in unseren Campingstühlen und für die Nichtfahrer ein paar Bierchen und Gin Tonic. Getreu dem Motto „Jeden Tag eine gute Tat“ versorgten wir noch kurzerhand ein ziemlich ausgelaugtes holländisches Motorradteam mit Essen, Trinken und Campingstühlen. Nach dann doch ziemlich entspannter Wartezeit passierten wir, wiederum kritisch für den muffelnden Inhalt unserer Dachboxen beäugt, kurz vor Mitternacht die Grenze. Irgendwie erleichtert und begeistert von den guten Straßen (Danke EU-Subventionen!) und dass wir die Straßenschilder endlich wieder lesen konnten legten wir nochmal den Rallyemodus ein. Kurz vor 2 Uhr fanden wir schließlich, nach der 4. Sackgasse den wohl bisher besten Campspot der Rallye. Direkt auf dem schneeweißen Ostseestrand, im Hintergrund ein Pinienwald und begleitet vom Rauschen des Meeres (später leider von Tobis Schnarchen übertönt). Besser geht’s nicht!

Stage 13: Laheema Nationalpark – Sigulda ( 500 km | 7,5 h )

Johannes - 02.07.2017: Estland, wir sind verliebt!

Den ersten Bilderbuchmoment des Tages erlebten wir bereits einige Sekunden nach Erwachen, beim Öffnen der Zelte: Schneeweißer Sandstrand, die tiefblaue Ostsee fast an den Fußspitzen, warme Sonnenstrahlen, die zum ersten Mal seit Langem wieder kurze Hosen erlaubten – was nach schönem Urlaub klingt, war für uns nach ziemlich kalten Wochen das absolute Paradies!
Nach kurzer Katzenwäsche und frischem Kaffee ging es mit entsprechend bis zu den Ohren strahlenden Gesichtern zurück auf die Straße.
Auf nagelneuen EU-Straßen flogen wir in Windeseile direkt nach Tallinn. Die Stadt empfing uns mit perfekter Verkehrsführung und einem Parkplatz mitten im Zentrum. Seit dem Abend in St.Petersburg hatten wir keine ordentliche Mahlzeit mehr, und so war es selbstverständlich, dass unsere erste Anlaufstelle ein Restaurant mit Estnischer Küche war. Was dann folgte, war die pure Eskalation: Bergeweise Fleischgerichte, fettige Bratkartoffeln und Salatteller vom Buffet mit perfekter (schwäbischer) Stapellung – unsere Appetit war wohl größer als der Magen, und als wir uns nach ganzen 1,5 Stunden in Tallinn endlich Richtung Innenstadt aufmachten, sollten uns die „Wehen“ noch einige Zeit begleiten…
Dass Tallinns Innenstadt (UNESCO Weltkulturerbe!) besonders sehenswert sein würde, war von Anfang an klar. Wie gut uns die Stadt gefiel, hätten wir uns allerdings nie ausmalen können: Umgeben von moderner Glasarchitektur ist die komplette Altstadt mit ihren kleinen Gässchen, unzähligen Türmen und herrschaftlichen Gebäuden nagelneu restauriert, komplett verkehrsberuhigt und unglaublich sauber. Das eigentliche Highlight waren aber die vielen hüpschen Estinnen, die uns ziemlich aus dem Konzept brachten und uns spontan diverse Heiratsanträge auf Estnisch nachschlagen ließen (kas sa abiellud minuga?). Dass einige Estinnen gerade mitten in der Stadt zu „Freude schöner Götterfunken“ eine Choreographie einstudierten (Estland übernimmt und feiert gerade zum ersten Mal die EU- Ratspräsidentschaft), tat natürlich das übrige dazu.

Schweren Herzens und viel zu spät verließen wir Tallinn in Richtung Süden. Als nächster Stopp war Rummu gesetzt, wo ein ehemaliges Sowjet-Gefängnis mitsamt zugehörigem Steinbruch inzwischen in einem tiefblauen Grundwassersee versunken ist. Statt einsamer Endzeitstimmung fanden wir uns zur großen Überraschung aber plötzlich inmitten eines Techno-Festivals wieder. Der Kontakt mit einigen Besuchern war dann aber auch recht amüsant.

Die vielen noch fehlenden Tageskilometer wurden dann in alter Rallyemanier mit Maximalgeschwindigkeit abgespult. Von Rummu aus entschieden wir uns für eine 70 km lange Abkürzung durchs einsame Estnische Hinterland, und wurden mit den fahrerisch schönsten Straßen der gesamten Rallye belohnt: Durch tiefe Wälder und wunderschöne Natur führten uns kurvenreiche Offroadpisten, die von Fahrer und Navigator perfekte Zusammenarbeit und höchste Aufmerksamkeit erforderten.
Die wenigen kleinen Dörfer auf der Strecke fügten sich romantisch ins Landschaftsbild ein und vermittelten ein Stück „heile Welt“ – wäre da nicht die hunderte Meter lange Staubschleppe gewesen, die unser Pajero recht ungeniert hinter sich über die Landschaft legte.
Den letzten Halt des Tages legten wir im Seebad von Pärnu ein, wo wir uns am Strand an diversen Spielgeräten sportlich abreagierten, in eine fesselnde Cheerleader Show gerieten und uns beim Abendessen auf die letzten Kilometer in Richtung Lettland vorbereiten konnten.
Im strömenden Regen und einige umgestürzte Bäume später erreichten wir spät in der Nacht unser Übernachtungsziel im lettischen Gauja Nationalpark.

Was für ein Tag.

Stage 14: Sigulda – Klaipeda (500km | 10,5h)

Johannes - 02.07.2017: Nach den ausgiebigen und unglaublich fettreichen Mahlzeiten des Vortages fiel das Frühstück ungewohnt sparsam und obstreich aus. Da wir direkt im Gauja Nationalpark übernachtet hatten, nutzen wir die Chance für eine kleine Sightseeing Tour. Höhlen, ein schöner Fluss und ein paar Schlösser, nichts besonderes aber dennoch ein willkommener Ausgleich für das stundenlange Sitzen der Tage zuvor. Spätestens beim Besteigen eines kleinen Berges wurden dann auch noch die letzten überschüssigen Kalorien verbrannt und bemerkt, wie sehr doch die Kondition unter der Rallye litt. Voller Erwartungen machten wir uns anschließend auf nach Riga, Lettlands Hauptstadt. Vielleicht auch einfach nur unglaublich verwöhnt von den Tagen zuvor wollte der Funke jedoch einfach nicht überspringen. Zwar mit schöner Innenstadt und einigen eindrucksvollen Gebäuden, von Charme und Schönheit aber nichts im Vergleich zu Tallinn. Als Tagesaufgabe der Rallye stand anschließend noch ein Abstecher zum höchsten alleinstehenden Gebäude Europas an, den wir nach kurzer Recherche als den noch zu Soviet-Zeiten gebauten Fernsehturm identifizierten. Imposante 368,5m ragt dieser in die Höhe, mit typisch Ostblock pompöser Eingangshalle, obwohl sich so keiner für den Turm interessieren wollte. Auf schönsten Straßen direkt am Strand fuhren wir, unterbrochen von einem Stopp an einer Riesenschaukel, nach Windau, der größten Hafenstadt Lettlands. Zu Zeiten der UDSSR wurde hierher eine Pipeline verlegt, welcher der Stadt zu großem Wohlstand aber auch beißenden Gasgeruch verhalf. Umso überraschender der schneeweiße und frequentierte Sandstrand direkt neben den schmutzigen Hafenanlagen. Kurz vor Einbruch der Dämmerung erreichten wir Kuldiga, wo uns die Besichtigung der breitesten Wasserfälle Europas aufgrund eines Radrennens jedoch verwehrt wurde. Praktisch wenn man eine Drohne hat! Zwar aufgrund der Entfernung mit kurzzeitigen Kontaktverlust und ungewohnten Turbulenzen, aber mit genialen Bildern des Flusses und Wasserfalls von oben verließen wir den Ort und passierten wenig später die litauische Grenze. Nächster Stopp Palanga. Winters ein von Pensionären geprägter mondäner Badeort, sommers das Mallorca des Ostens. Gestärkt von einigen Rationen des Duty Free Whisky fuhren wir erstmal, ziemlich mitteilsam, über die Partypromenade. Wieder unseres Erwartens brodelte die Stadt. Überall junge Leute, wummernde Bässe und ausgelassene Stimmung. Unsere Lust auf Feiern, nur verstärkt von angetrunkenem Kontakt zu Litauern, musste jedoch irgendwann der Vernunft weichen. So fielen wir wenig später gegen 3 Uhr bei strömenden Regen in unsere Betten.


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