"Weihnachten rückt immer näher und die Temperaturen werden immer sommerlicher."

In Chile wartet das Abenteuer ihres Lebens auf Lea aus Sulzbach. Die 18-Jährige steigt vor knapp 3 Monaten in den Flieger nach Südamerika und hat uns jetzt einen kleinen Bericht über die ersten vielen Eindrücke geschickt.

Lea: Mittlerweile bin ich seit knapp 3 Monaten in Chile. Und es hat sich viel getan. Ich bin inzwischen zum dritten Mal umgezogen. Die erste Woche verbrachte ich in Quilpué in der WG von Freunden meiner Entsendeorganisation Alegro e.V.  Dannach habe ich mir mit meinem Projektpartner ein Zimmer in Valparaíso geteilt und mittlerweile lebe ich in einer WG in Vina del Mar. Das ich mir meine Wohnung selbst aussuchen darf ist einer der Aspekte der mir an meinem Freiwilligendienst mit weltwärts besonders gut gefällt. Am Anfang hatte ich zwar zugegebenermaßen etwas Angst was die Wohnungssuche in einem fremden Land angeht aber im Nachhinein hat sich herausgestellt dass diese Angst komplett unbegründet war. Da es hier in Valparaiso und Vina von Touristen, Studenten im Auslandssemester, Backpackern und Freiwilligen nur so wimmelt ist auch das Wohnungsangebot entsprechend groß.

Weihnachten rückt immer näher und die Temperaturen werden immer sommerlicher. Trotzdem begegnet einem der Weihnachtsmann im Pelzmantel mit Rentieren und Schlitten an allen möglichen Orten, was irgendwie grotesk ist. Weihnachten am Strand wird eine neue komplett neue Erfahrung für mich.

Anfangs hatte ich etwas Probleme mit dem chilenischen Spanisch, da hier doch ein äußerst starker Dialekt vorherrscht. Mittlerweile kann ich mich aber gut unterhalten und mich daher auch in meinen Arbeitsstellen besser einbringen. Außerdem habe ich in den letzten Monaten sehr viel über die Arbeit mit behinderten Menschen gelernt, so dass mir die Arbeit viel leichter fällt als anfangs. Ich war aber von Anfang an äußerst zufrieden mit meinen Einsatzstellen. In beiden wurde ich sehr herzlich empfangen und die Menschen dort sind immer sehr hilfsbereit, nicht nur was die Arbeit angeht sondern auch wenn es um den Alltag in Chile geht. In Andalué, einer Schule für authistische Kinder arbeite ich hauptsächlich in zwei Klassen. Vormittags unterrichte ich Kinder zwischen 8 und 12 Jahren, Nachmittags Kinder zwischen 3 und 5 Jahren. Die Arbeit dort ist sehr abwechslungsreich. Einigen Kindern bringen wir lesen und schreiben bei, anderen helfen wir selbstständig essen zu können oder vorgegebene Flächen schön auszumalen. Eine sehr anspruchsvolle Arbeit, aber jedes Mal wenn ich Fortschritte an meinem Umgang mit den Kindern sehe merke ich, dass es sich lohnt. Die Arbeit in Aspade, einer Bäckerei für geistig behinderte Erwachsene ist um einiges weniger anspruchsvoll. Gerade um die Weihnachtszeit herrscht dort allerdings auch großer Stress, momentan sind wir dabei innerhalb kürzester Zeit 2.000 Weihnachtsplätzchen zu produzieren. Der Muskelkater vom vielen Teig Ausrollen ist beinahe unerträglich :D . Vormittags wird dort immer gebacken und nachmittags gibt es verschiedene Angebote, wie z.B. Schauspiel, Musik, usw. für die Chicos, wie die Arbeitenden dort genannt werden.

Chile ist ein wunderschönes Land, in dem allerdings ein sehr großes Müllproblem herrscht. Einkäufe werden jedes Mal in mindestens zwei Plastiktüten verpackt, was komplett unnötig ist, weshalb ich immer versuche das zu verhindern wenn ich einkaufe. Öffentliche Mülleimer findet man nur wenn man viel Zeit aufbringt einen zu suchen und auch dann ist nichts garantiert.

Viele Chilenen mit denen ich gesprochen habe bemängeln außerdem das Bildungssystem. Die staatlichen Schulen haben ein sehr geringes Bildungsniveau und die Mehrheit der Chilenen hat kein Geld den Kindern den Besuch einer Privatschule zu finanzieren. Viele chilenische Familien leben von umgerechnet 300 Euro im Monat, das ist weniger wie ich für mich allein monatlich zur Verfügung habe.

Was mir hier Probleme bereitet ist der Umgang mit einer komplett anderen Währung. Ein Euro entspricht ca. 800 Pesos. Ich habe immer noch Schwierigkeiten einzuschätzen ob ein Produkt billig ist oder nicht, daher kaufe ich auch immer verhältnismäßig planlos ein.

Chile ist ein wunderschönes Land mit einer wunderschönen Landschaft, Valparaiso ist genauso paradiesisch wie der Name (Paradiestal) verspricht und die Chilenen sind ein sehr herzliches, aufgeschlossenes und hilfsbereites Volk.

Großflächige und farbenfrohe Straßenkunst gehört zum Stadtbild
Im Nationalpark "La Campana"
In Andalué, einer Schule für authistische Kinder
Kaffeepause in Aspade
Eindrücke aus Chile, von meinem Zuhause auf Zeit
Mein Garten :)
Chillen in "Las Dunas de Con Con"