Mayas Karneval Erlebnis

Gualeguaychú - eine Stadt im östlichen Argentinien

Maya: Samstagmorgen, 10.15 Uhr, Busbahnhof in Pacheco und alles fängt an.. zusammen mit Carmen und Julia, meinen zwei Lieblingsmitfreiwilligen brachen wir auf nach Gualeguaychú (ja es ist schwer auszusprechen, inzwischen kann ich’s aber), in der Provinz ‚ Entre Ríos‘, die direkt nach der Provinz Buenos Aires kommt. Topausgerüstet mit einem Ein- bis Zweimannzelt zu 3., sowieso 2 Isomatten, Essen und keiner Ahnung wo wir unterkommen werden, weil uns gesagt wurde alle Campingplätze seien schon ausgebucht, sind wir also losgefahren.

Für mich als kleiner Control-freak ’n ganz schöner Schritt so planlos loszugehen, aber hey, ich habs überlebt und wir kamen sogar auf dem Größten und Besten der Campingplätze (obwohl er eigentlich schon ausgebucht war) unter. Malwieder Mädchenbonus…

Der Campingplatz heißt Solar del Easte und ist vergleichbar mit einem deutschen Festivalcampingplatz. Es gibt einen eigenen Strand mit rieeeesen Tanzfläche und die ganzen Leute sind den ganzen Tag nur am Feiern. Am Zelt, auf Autos, in Autos, im Wasser, auf der Tanzfläche. Auf dem Zeltplatz selbst, wurden wir superhilfsbereit aufgenommen und alle unsere Zeltnachbarn haben uns ihr Camping Equipment (Stühle, Hängematten, Tische, Schlafmöglichkeiten..) total großzügig mitbenutzen lassen. Irgendwie waren wir durch Carmens hellen blonden Haare und Haut und dadurch das wir die einzigen Ausländer auf dem ganzen Campingpatz waren so ’ne halbe Attraktion und nachher kannte uns irgendwie jeder als „las alemanaaaas“…

1000x erklären: woher man kommt, was man macht, wie man heißt. 1000 Komplimente aufgrund meiner Augenfarbe, 1000 Carmen-Verehrer die sie am liebsten auf der Stelle geheiratet hätten und eine Stimmung, wie ich sie noch nirgends so erlebt habe.

Abends, nach der Strand & Campingplatzparty gings dann zur Costanera (Strandpromenade) – wieder Party – aber das in ’nem Ausmaß… Die gesamte Strandpromenade ist voller feiernden jungen Leuten. An jeder Ecke Cumbia, Reggeaton oder Elektro und die Leute tanzen und tanzen und tanzen. Für mich natürlich ein Traum, da Cumbia und Quartetto im Paar getanzt wird und jeder Argentinier – egal wie betrunken – dich immer in irgendwelche Figuren führt, und mir das so hilft mein Lateintanzentzug ein bisschen zu curieren. Es war einfach so eine krasse Party, wie ich sie noch nie in meinem Leben erlebt habe, obwohl ich in den letzten Jahren im Partyurlaub in Spanien, Bulgarien und Kroatien war.. Die Argentinier sind einfach ziemlich feierverrückt und Karneval ist für die einfach nur ein Anlass von Januar bis März jedes Wochenende da so riesen Partys auf den Campingplätzen zu feiern.

Sonntagabends sind wir dann nach der Strandparty zum Corsodromo, wo der hauptsächliche Karneval in Gualeguaychú stattfindet. Auf den Campingplätzen und an der Costanera sind alle im Bikini oder kurzen Sommerklamotten, da sieht man vllt ab und an ne Maske aber sonst bekommt man nicht so viel vom wirklichen Karneval mit. Im Corsodromo allerdings, kann man für 240 Pesos (ca. 15 Euro) von einer Riesentribüne dem größten Karnevalsumzug Agrentiniens zuschauen. Bis zu ca. 5 m hohe Wägen mit halbnackten Sambatänzern und Tänzerinnen mit riesigen Federkostümen, Trommelgruppen, Hexen, Dschungelgestalten, … laufen die 500 m lange Umzugsbahn lang und das über 4 /5 Stunden und über 100 verschieden Gruppen/Vereine. Man konnte diese Federkostüme auch selbst anprobieren und ich muss echt sagen ich hab Respekt vor den Tänzerinnen. Zwar tanzen die kein „wirkliches“ Samba wie wir in unserer Lateinformation, aber die Kostüme sind sauschwer und überhaupt sich mit denen fortzubewegen muss superanstrengend sein.

Die meterhohen Umzugswägen

Auf dem Heimweg über die Costanera hat man dann aber auch irgendwie etwas die negative Seite des Feierns mitbekommen: Der Disrespekt Frauen gegenüber. So schön es auch fürs Selbstbewusstsein ist, an jeder Ecke gesagt zu bekommen wie schön man sei,  irgendwann geht es einem auf die Nerven. Z. B. wenn man einfach nur von einem Ort zum anderen kommen will. Außerdem haben die Argentinier (großteils) einfach echt keinen Respekt vor Frauen. Ein „Nein“ zu küssen wird überhaupt nicht verstanden oder akzeptiert. Ein „Nein“ im allgemeinen einfach nicht. Du wirst angemacht, angegrabscht und mit Schaum besprüht.. aber das ist hier einfach so ziemlich das Frauenbild und bemerkt man auch in Buenos Aires wenn man im bodenlangen Waldorfrock und absolut unsexy durch die Straßen läuft und du trotzdem an jeder Ecke angemacht, hinterhergehupt oder gepfiffen wird.

War echt ein megawitziges Wochenende mit anschließendem Chill Out auf der Insel bei meiner Gastoma und echt cool mal so einen ganz anderen Fasching und diese Riesenpartyseite von Argentinien mitzuerleben. Vorallem weil eben kaum Ausländer dort waren und das so zu 100% argentinisch war, von der Musik, über die Hilfsbereitschaft, das Tanzen.. einfach alles. Zurück kamen wir dann mit Peruanern, nachdem wir fast 3h auf dem Campingplatz rumgefragt hatten, weil unsere Wohnmobilnachbarn aus La Plata, die uns eigentlich versprochen hatten mitzunehmen, ohne uns gefahren sind 😀

… also absoluter Partykarnevaltipp: Camping in Gualeguaychú!