¡Bienvenidos Maya a nuestra Argentina chaotica!

… war einer der ersten Sätze mit denen mich die liebe Maru, die Ansprechpartnerin meiner Einsatzstelle abholte. Übersetzt heißt das „Herzlich Willkommen in unserem chaotischen Argentinien“ und fasst meine ersten Tage und Eindrücke hier ziemlich gut zusammen: Chaotisch. Laut. Riesig und fremd.

Man lebt hier wirklich in einer komplett anderen Welt. Wenn man aus dem „geordneten Europa“ und vorallem auch superstrikten Deutschland kommt ist das anfangs echt beängstigend. Gestern habe ich noch in einer Stadt gelebt, in der man nach 3 Minuten zu lange parken schon einen Strafzettel bekommt, heute lebe ich in einer Stadt, in der an manchen Ecken einfach noch Pferdekutschen fahren und Autowracks direkt am Straßenrand stehen. In den ersten paar Tagen hatte ich wirklich das Gefühl, ich werde mich hier niemals zurechtfinden. Nicht nur die Sprache, Kultur und Menschen sind hier fremd. Nein, schon die Straßen, Häuser, Läden und Autos sind einfach ganz anders als in Europa.

Die Straße, in der Maya aktuell wohnt

Auch mit dem Fortbewegen ist das auch so eine Sache.. es gibt zwar fast überall Bushaltestellen, aber keine Namen für diese. Wenn du also irgendwo hin möchtest, musst du erstens wissen welcher Bus in die gewünschte Richtung fährt, dann musst du eine Bushaltestelle finden an der die Linie fährt und dich so halb auf die Straße stellen, damit der Bus überhaupt anhält. Anschließend muss man hoffen, dass der Bus auch wirklich in die richtige Richtung fährt und man nicht am anderen Ende der Stadt landet :-) In den ersten paar Tagen fiel es mir wirklich sehr schwer das ganze System mal zu durchblicken, die Straße und das Viertel in dem ich wohne auszusprechen, mich zu orientieren. Doch jetzt wird es von Tag zu Tag besser und ich habe inzwischen schon so einiges gesehen und kenn mich ein bisschen besser aus.

Das Viertel Martínez - Sonnenuntergang Freitag Abend

Aber was mir hier ziemlich gefällt ist die Gelassenheit der Argentinier. Diejenigen die mich gut kennen wissen, dass ich ein Mensch bin der immer gerne alles genau weiß: wie ich wann wo hin und wieder heim komme, wann man sich trifft, … Dadurch bin ich in Deutschland irgendwie immer im Stress und auch irgendwie immer zu spät. Es gab immer 2000 Dinge an die ich denken musste, die ich planen und organisieren musste und war auch ziemlich Handyabhängig. Vorallem in meinen letzten Wochen in Deutschland hatte ich kaum Zeit zum runterkommen und entspannen, auch angesichts der Reise und allem.. Hier ist das Gegenteil der Fall. Man sieht eigentlich nie Argentinier rennen um einen Bus zu erwischen (es kommt ja ein Nächster also warum sich stressen?). Und allgemein wirken die Leute weniger hektisch, weniger nervös und gestresst als in einer deutschen Großstadt zum Beispiel. Man lebt so in den Tag hinein und schaut spontan was er einem so bringt.  Ich habe das Gefühl die argentinische Gelassenheit färbt dabei ein bisschen auf mich ab, weil ich mich jetzt viel freier und ungebundener fühle. Der Alltagsstress und Druck von Zuhause ist weg und ich habe hier noch so viele tolle Erlebnisse vor mir.

Die Freiwilligencrew von links nach rechts: Josh, Maria, Maya, Julia, Janna und Paul
Eine Busfahrt, die ist lustig, eine Busfahrt...

Dieses Wochenende war im Viertel Maschwitz ein internationales Bierfest auf dem wir deutschen Freiwilligen – mit gemeinsamen Sleepover bei einer in der Nähe wohnenden Freiwilligen von uns – waren. Auf dem Hinweg haben wir zwar aufgrunde einiger dummer Fehler 2 Stunden gebraucht aber war auch mal ne Erfahrung :-) „Only trust google maps“ ist jetzt mein neues Motto.. Außerdem habe ich diese Woche meine zukünftige Gastfamilie kennengelernt. Momentan wohne ich noch bei einer der Erzieherinnen aus dem Kindergarten, die in einem echt süßen kleinem Haus in einem sicheren und sehr schönen Viertel namens Boulogne wohnt. Sie ist schon eine ältere Frau aber kümmert sich wie meine Oma um mich, außerdem hat sie ein schönen grünen Garten und kocht immer lecker und sehr gesund. Habe also wirklich Glück mit ihr. Die Gastfamilie zu der ich kommen werde ist aber auch supernett! Pia, 24, Tänzerin, Tanzlehrerin und Schauspielerin lebt zusammen mit ihrem Mann Emilio, 33, arbeitet bei der argentinischen Variante von „Let’s Dance“ im Fernsehen und der kleinen 3-jährigen Tochter Bella. Ich finde die passen perfekt zu mir :-)  Sie wohnen ebenfalls nicht weit von meiner Arbeitsstelle entfernt und in einem schönen und ruhigerem Viertel namens Villa Adelina. Also alles in allem? Mir geht’s gut, ich hab‘ ein schönes Zuhause und bin glücklich. Ich freue mich auf die Zeit die auf mich zukommt und bin gespannt.