Alina in Afrika

Die Reise geht bald zu Ende

Alinas aktueller Bericht:

Nur noch wenige Wochen bleiben mir, bis das Jahr auch schon vorbei ist und ich wieder nach
Deutschland komme und mein Studium beginnen werde.
In der vergangenen Zeit ist jedoch noch einiges passiert:
Nachdem wir bei Cécile House-sitting gemacht hatten kamen nach zwei Wochen endlich meine
Eltern. Mit der Autovermietung konnten wir sogar mitfahren, sodass wir die Beiden am
Flughafen empfangen konnten. Nach langer Zeit ohne direkten Kontakt zu Familie und Freunden
(außer via Internet) waren sie endlich hier und dementsprechend war es für alle ein komisches
und zugleich vertrautes Gefühl.

Nach der Autoübergabe zeigten wir meinen Eltern, wo wir die letzten 8 Monate gelebt und
gearbeitet hatten. Als wir die Innenstadt und das CraftCenter (Souveniermarkt) angesehen hatten
fuhren wir per Taxi auf den Kapanamarkt, auf dem wir auch schon mit Louisas Eltern waren.
Nach der Tourbesprechung mit unserem Reiseleiter (African Bush Bird) gingen wir noch Essen
im Joe's und so war auch schon der erste Tag schnell vorbei. Am nächsten Tag ging's endlich auf große Rundreise durch Namibia.
Die Republik Namibia besteht aus ca. 824.292 km² und ist mit etwa 2,1 Millionen Einwohnern,
neben der Mongolei, der am dünnsten besiedelste unabhängige Staat der Erde. Im ersten
Weltkrieg wurde Namibia zu der Kolonie Deutsch-Südwestafrika und war später unter
südafrikanischer Herrschaft, bis zur Unabhängigkeit 1990. Landschaftlich wird Namibia durch
zwei Wüsten, der Kalahari im Osten und der Namib im Westen, geprägt. Durch die zahlreichen
Naturvölkergruppen und der Vergangenheit gibt es neben der Amtssprache Englisch noch 8
weitere Nationalsprachen. Das erklärt auch, weshalb viele der Kinder mehrsprachig aufwachsen.
Außerdem gibt es zahlreiche Naturreservate, die eine Fläche von ca 138.164 km² einnehmen.
Unser erster Zwischenstopp war am Oanop-Dam und von dort fuhr Mama zum ersten mal im
Linksverkehr bis zu unserem ersten Campingplatz am Rande der Kalahari. Dort war der
Sternenhimmel auch fast so unglaublich wie auf unserer Weihnachtsreise, was meine Eltern mit
großen Augen bewunderten.

Nach der ersten Nacht im Dachzelt fuhren wir bis zum Canyon mit einem Stop beim
Köcherbaumwald sowie dem "Spielplatz der Riesen" (Giants Playground). Der köcherbaumwald (Kokerboom Woud auf Afrikaans) ist ein Nationales Denkmal mit etwa
250 Köcherbäumen. Den Namen haben die vermutlich 200-300 Jahre alten und rund 5 Meter
hohen Bäume durch ihre frühere Verarbeitung zu Köchern. Spielplatz der Riesen, wie eine bizarre Felslandschaft heißt, weden die Felsen ganz in der Nähe des Köcherbaumwaldes genannt. Dieser "Spielplatz" besteht aus gestapelten Felsen, die durch dortige Verwitterungsverhältnisse entstanden und wie für Riesen geeignet aussehen.

Am dritten Tag der Reise unternahmen wir auf eigene Faust eine Gratwanderung am Fish River Canyon. Der Canyon sieht von oben wirklich atemberaubend schön aus und bei der Leere im Inneren kommt man sich fast alleine auf der Welt vor. Mit etwa 160 km Länge, 27 km Breite und 550 m Tiefe gilt er als der größte Canyon Afrikas und dem zweitgrößten der Erde.

Der nächste Tag führte uns durch den Naukluft-Park, in dem wir einige Zebra- und Oryx-Herden sahen, bis auf eine Lodge in der Nähe der Namib. Die Namib ist eine Trockenwüste an der Westküste und grenzt somit direkt an die Küste des Atlantiks. Bekannt ist sie durch ihre Sanddünen, die je nach Sonneneinstrahlung ihre Farben ändern. Außerdem ist sie mit einem Alter von rund 80 Millionen Jahren auch die älteste Wüste der Erde.

Um 5 Uhr am nächsten Tag ging es los, denn wir wollten die kühleren Morgenstunden nutzen, um auf die höchste Düne zu wandern. Nachdem wir in den Sossusvlei Park fuhren ging es weiter auf Asphalt, bis kurz vor die Düne, denn für das letzte Stück brauchte man durch den tiefen Sand einen 4x4 Wagen. Da wir so einen besaßen konnten wir auf eige Faust dort hin und Louisa & ich freuten uns mal wieder auf einer spannenden Straße fahren zu können. In tiefem Sand zu fahren kann man mit nichts vergleichen. Ansatzweise ist es vielleicht noch etwas ähnlich, wie mit tiefem Schnee. Man hat eigentlich keinerlei Kontrolle und versucht in eine Spur zu kommen, die tief genug ist, dass die Reifen nicht wieder herausspringen. Hat man so eine Spur gefunden braucht man nicht mehr lenken, da die Reifen in dieser Spur fahren. Meist fühlt es sich so an als säße man in einem Boot, das vor sich hin schaukelt.

Angekommen ließen wir die erste kleine Düne aus, auf der lauter Touristen liefen, und machten uns gleich an "Big Daddy" (380 m), der höchsten Düne in Sossusvlei. Sossusvlei ist eine von Sanddünen umschlossene Salz-Ton-Pfanne, die seit 2013 zum UNESCO-Welterbe gehört. Die umgebenen Dünen, welche bis zu 380 Meter Höhenunterschied aufweisen, zählen zu den höchsten der Erde. Der orangenfarbige Sand ist mehr als 5 Millionen Jahre alt und verändert je nach Lichteinfall die Farbe.
Auf Dünen zu wandern sieht zwar nicht besonders spannend aus, doch bei jedem Schritt rutscht man die Hälfte wieder herrunter. Wie in einer Entenfamilie laufen alle hintereinander und stapfen in die Fußspuren des Vorderen, da diese am festesten sind. Der Erste der Karawane hat jedoch die meiste Arbeit und muss die Fußstapfen bilden, was ziemlich an den Kräften nagt. Doch aufgeben war keine Option und so schafften wir es bis ganz nach oben. Von dort sah man zwar nicht das Meer, aber dafür einen großen Teil der Namib. Auf dem Weg zur nächsten Düne verschwanden jedoch unsere Kräfte. Mittlerweile war es auch schon fast Mittagszeit und somit stieg die Temperatur mit jeder Minute an, was man auch am Sand spürte, der sich ebenfalls erhitzte. Also kehrten wir um und versuchten auf dem schnellsten Weg zu unserem Auto zu gelangen. Wir liefen schräg an der Düne entlang, weshalb sich unsere Schuhe nun nur noch schneller mit heißem Sand füllten und so 3 Nummern kleiner wurden. Völlig entkräftet, mit von Sand zerdrückten Füßen, kamen wir über den letzten Dünenkamm. Von dort mussten wir nur noch die Düne herunter und über eine Pfanne zurück laufen. Die Düne herunter zu rennen heiterte uns alle wieder auf, doch stehen bleiben wäre auch nicht möglich gewesen, da der Sand mitlerweile zu heiß war und uns die Knöchel verbrannt hätte. Endlich am Auto angelangt lief die Klimaanlage auf Hochtouren und wir tranken kühles Wasser aus dem Kühlschrank.

Der Tag war jedoch noch nicht vorbei und so fuhren wir nach einer Verschaufpause zum
Sesriem-Canyon. Der Canyon, welcher sich durch den Tsaubach Fluss bildete, ist einen
Kilometer lang und 30 Meter tief. Dieser liegt zum Glück im Schatten und so wanderten wir
gemütlich darin herum.

Da wir nun genug von der Wüste hatten fuhren wir weiter bis ans Meer nach Swakopmund mit einem Zwischenstop in WalvisBay. Walvis Bay ist eine Hafenstadt mit ca 62.000 Einwohnern und damit auch die drittgrößte Stadt des Landes. Nach einem Sundowner auf der Swakopmunder Jetty gab es noch die leckerste Pizza des Landes.

Von unserem Guesthouse startete am Morgen die "little five tour'', welche ich noch in Windhoek gebucht hatte. Auf der Tour bekamen wir viele Infos über die Wüste und ihre Bewohner.

Außerdem lernten wir, dass Spuren auf Schottersand mehrere hundert Jahre alt werden und
deshalb nicht jeder in die Namib fahren darf wie er will. Wir wurden eingeführt in Tierspuren und sahen dann tatsächlich noch 3 Tiere der ''little five'' (Wüsten-Chamäleon, Wüstengecko, dancing white lady spider, Wüsteneidechse und die Peringuey-Otter). Wir hatten ziemliches Glück diese Tiere zu finden, da an diesem Tag ein Ostwind fegte, welcher viel Sand aufwirbelte und man deshalb mit jeder halben Stunde weniger Tierspuren fand. Wir sahen eine verwandte Schlange der Puffpotter, die Peringuey-Otter, die white lady spider (ihr Biss ist tödlich) und einen Wüstengecko. Nach 5 Stunden interessanter Tour wurden wir wieder zurück gebracht und ich kann nur jedem diese Tour empfehlen. Mit einem wunderschönen Sundowner an diesem Abend verabschiedete sich der Tag von uns.

Bei der Bootstour am nächsten Morgen, welche ich auch in Windhoek noch gebucht hatte,
unterlief mir jedoch ein Fehler und so hatte ich eine Tour in Südafrika und nicht in Namibia
gebucht. Dank unserer Guesthouse-Mama bekamen wir jedoch noch einen Platz in einem Boot Leider sahen wir an diesem Tag fast nur Möwen und Seehunde und hatten kein Glück einen Delfin zu sehen. Weiter ging's auf die nächste Farm, die sehr familiär gehalten wurde und weshalb auch alle Gäste gemeinsam Abend aßen. Nach einem Lagerfeuer gingen wir mit Nashorngeräuschen ins Bett.

Nach dem Frühstück besuchten wir das "Living Museum of the San". Dort wurden wir von zwei San-Männern durch den Busch geführt und bekamen einen kleinen Einblick in Medizin,
Kampftechnik und Feuer. San bezeichnet eine Reihe ethnischer Gruppen im südlichen Afrika. Die ursprünglich reinen Jäger und Sammler führen auch heute, wenn jedoch selten, noch traditionell ein auf sich selbst gestelltes Leben. Meist arbeiten die noch etwa 100.000 San auf Farmen. Leider wurden die San oft von ihrem Land vertrieben, was zur Verschlechterung ihrer Lebensbedingungen und somit zu einer sinkenden Personenzahl führte. Die San kennzeichnen sich oft durch ihre geringe Körpergröße und einer gelblich-braunen Hautfarbe.

Von der nächsten Farm ging es morgends auch wieder früh weiter, denn an diesem Tag stand der Etosha-Nationalpark auf dem Plan. Der Park, welcher im Norden Namibias liegt, ist mit seinen 22.000 km² ein bedeutendes Schutzgebiet des Landes. Durch dieses Naturschutzgebiet wurden die Tiere vor der beinahen Ausrottung beschützt. Nach der Einzeunung 1973 und den künstlichen Wasserlöchern stieg der Wildbestand stark an. Heute zählt er neben dem Sossusvlei zum beliebtesten Reiseziel in Namibia. Im Park sahen wir einige Zebras, Springböcke, Impalas, Schakale, Gnus und einige interessante Vögel. Wir fuhren ein Wasserloch nach dem nächsten ab, doch alle großen Tiere blieben versteckt. Doch plötzlich als ich nach einem Baum noch einmal zurückblicke sah ich dort ein Nashorn stehen. Leider mochte dieses unser Motorengeräusch nicht und verschwand schnell im Dickicht. Später sahen wir dann doch noch einen Elefanten, der über die Straße lief und auch noch ein paar Giraffen.

Den nächste Tag hatten wir auch nochmal komplett im Park und fuhren weiter zu den
Wasserlöchern, denn dort hat man die größte Chance Tiere zu finden. Als wir einige Autos am Wegrand sahen schauten wit uns um und tatsächlich sahen wir gerade noch so einen
Löwenhintern ins Gebüsch laufen. Leider verloren wir ihn dann aus den Augen und sahen auch später keinen Löwen mehr. Dafür sahen wir einen Kudu am Wasser, welche meist sehr scheu sind und bei jedem lauteren Geräusch wieder verschwinden. Außerdem trafen wir an einem anderen Wasserloch gleichzeitig auf Giraffen, Elefanten und Zebras, was uns ein spektakuläres Foto brachte. Kurz bevor wir wieder aus dem Park fuhren sahen wir noch einen Hyänenbau mit 4 kleinen Babys davor liegen. Das war wirklich riesiges Glück, da sie kurz darauf wieder im Bau verschwanden und nicht mehr zu sehen waren. Bis zum letzten Wasserloch für den Tag kamen wir jedoch nicht, da uns zwei Elefanten den Weg versperrten und auf der Straße in unsere Richtung liefen. Das hieß für uns langsam zurück fahren und leider liefen sie nicht runter von der Straße sondern weiter uns hinterher, sodass das Wasserloch für uns unerreichbar war.

In manchen Situationen ist es immer wieder Glück, dass so ein Tier nicht auf einen zurennt, denn dann hätten wir keine Chance gehabt noch rechtzeitig rückwärts zu fahren. Deshalb darf man im Etosha und vielen anderen Nationalparks nicht einfach aussteigen, sondern nur auf gekennzeichneten Plätzen, die meist umzäunt sind. Dafür sind die Tiere hier in ihrem natürlichen Lebensraum, müssen sich selbst ernähren und können weite Strecken zurücklegen, wie es ihrer Natur entspricht. Die Gefahr, die von den Tieren ausgeht ist um einiges geringer als die Gefahr, die die Tiere vom Menschen befürchten müssen. In meinem Jahr hier hatte ich nie eine Situation, in der uns ein wildes Tier angegriffen hat, obwohl wir manchmal viel zu nah waren.

Der nächste Tag brachte uns wieder nach Windhoek und am darauffolgenden Nachmittag wurden meine Eltern wieder zum Flughafen gefahren. Nun war die gemeinsame Zeit schon vorbei und ich blieb mit gemischten Gefühlen zurück, doch schon 3 Monate später werde ich auch wieder nach Hause kommen.
Gleich am Tag darauf mussten wir wieder arbeiten und so begann das letzte Arbeitsdrittel. Nun sind es nur noch 8 Wochen, die mir hier verbleiben und in denen ich Abschiedsgeschenke vorbereite sowie meinen letzten Urlaub planen werde. Außerdem ist hier mittlerweile der Winter eingekehrt und in unserer Wohnung deshalb dauerkälte. Aber wir können natürlich bei 25° C mittags in der Sonne nicht mekern.