Vier Steine und ein Fuchs

Und was sich sonst noch hinter Bausparen verbirgt.

In unserem ersten Artikel stellen wir kurz und verständlich die Funktionsweise und die Nutzungsmöglichkeiten eines Bausparvertrages vor.

Bitte beachten: wir gehen von einem einfachen Fall aus, natürlich sind bei einem Bausparvertrag viele individuelle Varianten darstellbar - Ihr Berater kennt sich damit aus!

Eine erste Erkenntnis gibt die alte Schreibweise: "Bau-Sparvertrag". Es geht dem Wortlaut nach also um Bauen und Sparen. Oder besser: erst um Sparen (Phase 1), dann um Bauen (Phase 3).

Und um was geht es beim Bausparen jetzt genau?

Grob gesagt: Spare Summe "X" selber an und bekomme bei Bedarf nochmal den gleichen Teil als günstiges Darlehen obendrauf.

Der Vertrag:

  • wird zwischen Kunde und Bausparkasse abgeschlossen
  • beläuft sich auf eine bestimmte, bei Vertragsabschluss festzulegende Summe (Bausparsumme). Diese setzt sich in der Regel aus 50% eingezahltem Guthaben und 50% optionalem Darlehen zusammen
  • ist in verschiedenen Tarifen möglich
  • kostet in der Regel eine einmalige "Abschlussgebühr"

Die 3 Phasen während der Vertragslaufzeit

Phase 1 - Die Ansparphase

In der Ansparphase spart der Vertragsinhaber in der Regel die Hälfte (je nach Tarif unterschiedlich) der Bausparsumme als Guthaben an, für welches er auch Zinsen erhält.

Einzahlungen sind sowohl regelmäßig als auch unregelmäßig möglich. Eine Einmal- bzw. Sofortaufzahlung des Guthabens ist ebenfalls machbar.

Eine weitere Möglichkeit zur Besparung entsteht, wenn der Kunde von seinem Arbeitgeber sogenannte "Vermögenswirksame Leistungen" erhält. Diese "VL" (oder "VWL") sind freiwillige Zahlungen von Firmen an ihre Angestellten und sollen, wie der Name erkennen lässt, zur Vermögensbildung beitragen. Die Höhe der VL sind je nach Branche unterschiedlich hoch.

VL müssen auf bestimmte, dafür zugelassene Verträge überwiesen werden, wozu unter anderem auch Bausparverträge gehören. Unter bestimmten Voraussetzungen werden eingezahlte VL vom Staat bezuschusst, so dass dadurch ein zusätzlicher Ertrag entsteht. Junge Bauspar- Kunden und Auszubildende kommen in den meisten Fällen in den Genuss dieser "staatlichen Zulage".

(Mehr Infos zum Thema "VL")

Phase 2 - Die Zuteilungsphase

(Zuteilung= Freigabe)

Um über die vollständige Bausparsumme (Guthaben + Darlehen) verfügen zu können, muss der Bausparvertrag den Status "zuteilungsreif" erlangen. Dieser wird - je nach Tarif - erreicht, wenn mindestens 40-50 % der Bausparsumme als Guthaben eingezahlt wurden. Außerdem muss die sogenannte "Bewertungszahl" einen bestimmten Wert erreichen. Dieser ist vertraglich vorgegeben und errechnet sich aus den Guthabenzinsen, der Bausparsumme und weiteren Faktoren.

Durchschnittlich dauert es 6-8 Jahre (bei monatlicher, durchschnittlicher Besparung) bis ein Bausparvertrag beide Voraussetzungen erfüllt und somit den Status "zuteilungsreif" erlangt.

(Wie Sie die Zuteilung beschleunigen können erfahren Sie hier.)

 

Sobald der Vertrag alle Voraussetzungen für die Zuteilung erreicht hat, erwirbt der Kunde automatisch einen Anspruch auf das Darlehen. Er hat nun verschiedene Möglichkeiten, wie er mit seinem Bausparvertrag weiter verfahren kann. Unter anderem kann er:

 

  • sein angespartes Guthaben (= 50% der Bausparsumme) + Guthabenzinsen auszahlen lassen. Der Vertrag wäre somit "erledigt".
  • zusätzlich die restlichen 50% (bis zur vollen Bausparsumme) als Darlehen in Anspruch nehmen.

 

Der Kunde, der sich für die Variante 2 - also das Darlehen- entscheidet, gelangt mit seinem Bausparvertrag in "Phase 3".

Phase 3 - Die Darlehensphase

Allgemein ist Geld aus einem Bausparvertrag zweckgebunden, es darf nur für "wohnwirtschaftliche Zwecke" genutzt werden. Es muss also für irgendeine Investition am Haus oder der Wohnung genutzt werden. Dies kann alles Mögliche sein: Kauf einer Immobilie, Um- oder Ausbau an bestehenden Immobilien, ebenso wie Renovierungs- oder Modernisierungsmaßnahmen.

Bei Personen unter 25 Jahren gibt es eine Sonderregelung, die Zweckbindung ist nicht ganz so streng. (Ihr Berater weiß darüber Bescheid.)

Der Kunde hat also "wohnwirtschaftliche Pläne" und benötigt dafür Geld. Sein Bausparvertrag gestaltet sich aktuell folgendermaßen:

 

50 % eingezahltes Guthaben + Zinsen

50 % Darlehensanspruch

_____________________

= 100 %  Bausparsumme

 

Der Kunde teilt sein Vorhaben seinem Berater mit, dieser leitet daraufhin die Auszahlungen des Guthabens und des Darlehens an den Kunden in die Wege und der Kunde kann sein Vorhaben umsetzen.

Für das in Anspruch genommene Darlehen (in Höhe von 50% der Bausparsumme) berechnet die Bausparkasse dem Kunden Darlehens-Zinsen, welche der Kunde zusammen mit den Tilgunsbeiträgen (mtl. Rate für die Rückzahlung des Darlehens) an die Bausparkasse zurückzahlen muss.

Je nach Bauspartarif ergeben sich unterschiedlich lange Rückzahlung-Zeiträume für das Darlehen, auch die Höhe von Tilgung und Zinsen sind vom Tarif abhängig.

Die Laufzeit kann in den meisten Fällen durch Sonderzahlungen verkürzt werden.

Sobald der Kunde sein Bauspardarlehen (inkl. Darlehenszinsen) vollständig an die Bausparkasse zurückgezahlt hat, ist der Vertrag beendet.

Schlussfrage: "Und was habe ich jetzt vom Bausparen?"

Allgemein gültige Aussagen sind hier schwierig zu treffen. Jeder Mensch hat individuelle Ziele im Leben, auf die er seine Geldanlagen ausrichtet und optimiert, um den für sich größten Vorteil daraus zu erlangen.

Generell bietet der Bausparvertrag aber folgende Nutzen/Vorteile:

 

  • Kunden, die heute wissen, dass Sie in mittlerer Zukunft ein "wohnwirtschaftliches" Darlehen benötigen können sich dieses, zu guten Bedingungen, schon heute sichern und haben somit einen kalkulierbaren Baustein
  • Kunden, die Ihr Geld ansparen möchten (und schon heute wissen, dass sie kein Darlehen in Anspruch nehmen) können Ihre Verträge so gestalten, dass ein größtmöglicher Ertrag dabei herauskommt
  • Bausparverträge sind sehr flexibel, zum Beispiel können die Höhe der Sparbeiträge, die Bausparsumme und zum Teil sogar die Tarife während der Laufzeit geändert und somit an Kundenwünsche angepasst werden
  • Bausparverträge sind sehr sichere Anlagen
  • die Kosten sind transparent und überschaubar
  • Vermögenswirksame Leistungen vom Arbeitgeber können in einen Bausparvertrag angelegt werden und sorgen für einen Extra-Ertrag
  • Bausparverträge sind unter bestimmten Voraussetzungen staatlich gefördert.

Unten stehende Grafiken veranschaulichen abschließend noch einmal den Aufbau sowie die Phasen eines Bausparvertrages.

Bausparsumme
Abb. 1: Aufbau des Bausparvertrages
Abb. 2: Die 2 Phasen des Bausparvertrages

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