Bitcoins

Die Währung der Zukunft?

Die Digitalisierung hat schon längst Einzug gehalten und die Welt ganz schön auf dem Kopf gestellt. Und auch vor der Finanzwelt hat das neue digitale Zeitalter nicht haltgemacht und so ist nicht nur internetaffinen Nutzern der Name „Bitcoin“ als Währung ein Begriff.
Bitcoins, übersetzt digitale Münze, gilt als die neue Währung der Zukunft. Doch was verbirgt sich wirklich hinter der digitalen Währung. Dieter Krug, Leiter Vermögensmanagement einer Volksbank, erklärt uns, ob der Handel mit Bitcoins einen wirklich zum Millionär macht oder ob es doch nur ein großer Mythos ist.

Dieter Krug

Hallo Herr Krug. Vielen Dank, dass es geklappt hat und Sie für unsere VR-Future Mitglieder Zeit gefunden haben. Was genau machen Sie denn bei der Volksbank und was zeichnet Sie als Ansprechpartner für Bitcoins aus.

Hallo. In meiner beruflichen Tätigkeit berate ich seit vielen Jahren vermögende Kunden in Vermögensanlagen. Um hier erfolgreich zu sein ist es wichtig, sich mit der Entwicklung von Aktien, Währungen und alternativen Investments zu beschäftigen um aktuelle Trends zu erkennen. Die aktuelle rasante Entwicklung von Bitcoin ist mir dabei nicht entgangen.

Was genau ist denn diese digitale Münze und wo wird sie gehandelt?

Die sogenannte Kryptowährung könnte man auch als digitales Kunstgeld bezeichnen. Der Begriff Krypto verweist hier auf die Wissenschaft der Verschlüsselungstechnik die eine hohe Sicherheit gewährleisten soll. Es gibt keinen Börsenhandel für Bitcoin. Vielmehr findet der Handel dezentral in einem weltweit verbreiteten Rechnernetz statt.

Können Sie uns einen Überblick der Kursentwicklung der Bitcoins geben und wissen Sie den aktuellen Umrechnungskurs von einem Bitcoin?

Ja gerne. Die ersten Bitcoins wurden im Jahr 2009 gehandelt. Es gibt eine vorherbestimmte maximale Zahl an Bitcoins, die durch das Netzwerkprotokoll auf 21 Millionen Einheiten festgelegt worden ist. Diese wurde noch nicht erreicht. So soll eine zügellose Ausweitung der Geldmenge und damit Inflation verhindert werden. Die Kursentwicklung hat in den letzten Wochen einen rasanten Anstieg erlebt und liegt aktuell bei ca. 2.500 € für einen Bitcoin (BTC / Stand 9.06.2017). Noch zu Jahresbeginn lag der Kurs unter 1.000 € und in den Anfangsjahren sogar bei rund 10 € je Bitcoin. Sie können den aktuellen Kurs im Internet auch selbst verfolgen.

Im Netz wird man immer wieder mit Bitcoins als Zahlungsmittel konfrontiert. Wie schätzen Sie die Zahlung mit Bitcoins ein? Werde ich damit auch bei den großen Onlineanbietern wie Amazon, Ebay und Zalando bezahlen können?

Anfang 2015 wurden weltweit ca. 6.300 Orte wie etwa Geschäfte oder Hotels gelistet, welche Bitcoin als Zahlungsmittel akzeptieren. Seit dem 1. April 2017 erkennt Japan die Kryptowährung auch als legales Zahlungsmittel an. Trotzdem würde ich eher nicht davon ausgehen, dass wir in näherer Zukunft bei den großen Onlinehändlern diese Zahlungsoption sehen werden.

Am 1. Juni 2011 veröffentlichte der deutsche „Bundesverband Digitale Wirtschaft“ eine Pressemeldung, in der er Konsumenten von der Nutzung Bitcoins abrät. Diese hätten, da sie keiner staatlichen Kontrolle unterliegen, „das Potenzial, der gesamten Gesellschaft […] durch Steuerhinterziehung, Geldwäsche oder andere illegale Geschäfte nachhaltig zu schaden [Quelle: wikipedia.de]. Auch sechs Jahre später wird der Handel mit Bitcoins in den Medien immer wieder mit illegalen Waffengeschäften, Pornografie und Betrugsdelikten in Zusammenhang gebracht. Alles ein Mythos oder sind Bitcoins tatsächlich genauso gefährlich wie ihr schlechter Ruf?

Die Tatsache, dass die Akteure im System weitgehend anonym bleiben ist sicherlich ein Anreiz für kriminelle Überlegungen. Erst jüngst war von einem Erpressungsversuch zu lesen in welchem Bitcoins als Lösegeld gefordert wurden. Durch die offizielle Akzeptanz als Zahlungsmittel in Japan wird allerdings auch erreicht, dass dort eine Legitimation stattfindet und Gesetze gegen Geldwäsche gelten.

Gibt es denn auch klare Vorteile von Bitcoins als digitale Währung? Immerhin hat die Welt am Sonntag in einem Artikel von Mai 2017 Bitcoin als „das Gold eines neuen Zeitalters, so unabhängig vom Finanzsystem wie das Edelmetall, zudem leichter teil- und übertragbar“ verglichen. [Quelle: Welt am Sonntag, 08.05.2017]

Die Idee, die sich hinter der Kunstwährung verbirgt, ist meines Erachtens interessant. Denn gerade die Tatsache, dass zum Beispiel Notenbanken oder die Politik keinen Einfluss nehmen kann ist etwas Neues. Gerade in den letzten Jahren konnten wir alle erleben, in welchem Umfang die Notenbanken die Geldmenge ausweiten können.

Momentan geht man davon aus, dass der Wert aller Bitcoins 24 Milliarden Dollar beträgt. Das weltweit hinterlegte Gold hingegen soll 7,5 Billionen Dollar wert sein. Wird Bitcoins also doch überschätzt?

Obwohl schon einige Jahre am Markt eingeführt, ist meiner Meinung nach das System noch in keinem ausgereiften Zustand. Dies liegt auch daran, dass offensichtlich immer noch etwa 1.000 Personen über die Hälfte aller Bitcoins verfügen. Dadurch sind massive Kursbewegungen möglich.

Auch Carl-Ludwig Thiele, Vorstandsmitglied der Bundesbank, sieht die Bitcoins eher kritisch. In einem Interview mit der Welt am Sonntag argumentiert er, dass der Bitcoin ein Tauschmittel sei, das nicht von einer Zentralbank herausgegeben wird, sondern von nicht bekannten Akteuren. Er sehe ihn nicht als Währung. Als was sehen Sie denn den Bitcoin und worauf führen Sie das zurück?

Ich sehe die Kunstwährung eher als Pionier, welche uns aufzeigen kann, welche Alternativen es zu den bestehenden Währungssystemen langfristig geben könnte. Ob sich das System behaupten kann bleibt abzuwarten. Vertrauen ist für solche Themen unabdingbar. Eine als ähnlich beworbene Kunstwährung namens OneCoin steht jüngst unter Betrugsverdacht. Innerhalb eines Jahres wurden hier nach Presseberichten etwa 360 Millionen Euro als Anlegergelder angeworben.  

Haben Sie eine Erklärung dafür, warum gerade in Griechenland während der Währungskrise die Griechen auf die Bitcoins setzen. Damit sind die griechischen Anleger doch ein noch höheres Risiko eingegangen? Und welche Gründe sehen Sie, warum gerade in China der Bitcoin so beliebt ist?

In beiden Ländern gibt es Beschränkungen hinsichtlich der Ausfuhr von Devisen. Mit Hilfe von Bitcoin wurde ein Transfer von Geldern aber trotzdem ermöglicht. Speziell in Griechenland dürfte mangelndes Vertrauen in das Fortbestehen der Währung Euro eine große Rolle gespielt haben. Mit Blick auf die jüngsten Kursentwicklungen dürfte sich diese riskante Wette möglicherweise sogar gelohnt haben.

Danke für das Gespräch und die tollen Informationen, Herr Krug. Haben Sie noch einige Tipps für unsere VF-Future Mitgliedern in Sachen Bitcoin?

Die exzessiven Kurssteigerungen lassen mich daran zweifeln, wie nachhaltig dieser Wert gehalten werden kann. Ich würde wohl nicht investieren. Für unsere jungen Kunden, welche ihr erstes Erspartes anlegen wollen bietet das VR-Future Konto immer noch respektable Zinsen. Für größere Geldbeträge kommen dann möglicherweise erste Investments in transparenten Wertpapieren in Betracht.